Histamin – das große Testen

Histamin – das große Testen

In diesem Beitrag möchte ich euch ein bisschen darüber berichten, wie ich angefangen habe, einzelne Lebensmittel auf ihre Verträglichkeit zu testen – wie es mir dabei erging, welche Faktoren es leichter oder schwerer für mich machen und wo ich aktuell stehe. Aber fangen wir von vorne an.


Aller Anfang ist Diät


Als die Diagnose Histamintoleranz im Raum stand, begann für mich die Eliminationsdiät bereits während ich auf die Laborergebnisse vom Arzt gewartet habe. Denn letztendlich ist auch das ein Indiz für eine Unverträglichkeit: Rückläufige Symptome bei Verzicht auf die fraglichen Lebensmittel.
Für die Diät erhielt ich von meinem Arzt eine Tabelle nach Ampelsystem. Grüne Lebensmittel sind mit großer Sicherheit verträglich, gelbe wahrscheinlich auch, organge eher nicht und rote wahrscheinlich gar nicht. Die Liste richtet sich nach dem Histamingehalt der Lebensmittel, aber auch nach ihrer Funktion als sogenannte Histaminliberatoren. Das sind Stoffe, die die körpereigene Histaminproduktion anregen. So weit, so vermeintlich einfach, aber dazu später mehr.

In der strengen Diätphase, die bei mir vier Wochen dauerte (zwischen vier und sechs sind die Regel), durfte ich nur Lebensmittel der grünen Kategorie essen. Das war zunächst eine ziemliche Einschränkungen und für mich auch ein Kraftakt, bestand doch plötzlich mein Alltag gefühlt nur noch daraus, Lebensmittel in meiner Liste nachzuschlagen, frisches Gemüse zu kaufen oder zu kochen. Machbar war es trotzdem und der Effekt war verblüffend. Nach drei Tagen besserten sich die Symptome, nach einer Woche waren einige ganz weg. Was für ein neues Lebensgefühl!


Diagnose gesichert – und dann?


Nach den vier Wochen saß ich also wieder beim Arzt und ließ mir durch meine Laborergebnisse dann auch offiziell bestätigen, was die Eliminationsdiät bereits vermuten ließ: Die Diagnose Histaminintoleranz war gesichert. Ich durfte ab jetzt anfangen, Lebensmittel aus der gelben Kategorie auszuprobieren. Ich ging also nach Hause, ging erneut meine Liste durch fing an, mir aufzuschreiben, welche Lebensmittel ich ausprobieren wollte. Ganz oben standen dabei Eier und Süßkartoffel. Eier wollte ich wegen der großen Einsatzvielfalt austesten, aber auch, weil sich mein Fleischkonsum gen Null reduziert hat und sie als Proteinquelle zu schätzen gelernt habe, erst recht als auch noch alle Milchprodukte wegfielen. Und Süßkartoffeln – die liebe ich einfach.

Nachdem ich meine eigene Testliste angelegt hatte (die erschreckend lang war) wollte ich dann auch anfangen, einzelne Lebensmittel auszuprobieren. Allerdings fand ich nirgends eine Art „Anleitung“ dazu. Ich wusste nicht, wie oft ich etwas ausprobieren musste oder wie lange, in welcher Menge und worauf ich sonst noch so achten muss. Also habe ich mein eigenes System entwickelt.


let’s test


Zunächst legte ich mir wieder eine Tabelle an. In einer Spalte war das Testobjekt, in einer anderen Datum und Menge und schließlich gab es noch eine für auftretende Symptome. Wenn etwas roh oder gekocht gegessen werden kann habe ich auch die Verarbeitungsform dazu geschrieben (z.B. bei Rotkohl) und nach Möglichkeit beide Varianten in meinen Test aufgenomen.

Und dann ging es auch schon los: essen, aufschreiben, warten und hoffen. Jedes Lebensmittel habe ich 3 bis 4 Tage am Stück seperat getestet und mich ansonsten möglichst sicher ernährt. Das mache ich auch heute noch so, denn meine Liste ist noch lange nicht abgearbeitet. Ich weiß z.B., dass ich kleine Mengen vegane weiße Schokolade vertrage, esse sie aber nicht, wenn ich gerade etwas anderes austeste. Das macht jeden Test immer wieder ein bisschen entbehrungsreich, aber dafür sind die Aussagen etwas eindeutiger. Denn machen wir uns nichts vor: das Ganze ist unheimlich störungsanfällig.


Up & Down


Wenn ich ehrlich bin gab es Tage, da habe ich mir gewünscht, ich wäre einfach immer bei der Eliminationsdiät geblieben. Klar, wenn man ein Lebensmittel findet, das man verträgt, ist das eine echte Bereicherung und jedes Mal wieder ein kleines inneres Hüpfen und Konfetti streuen. Die negativen Tests hingegen haben mir teilweise den letzten Nerv geraubt.

Insbesondere wenn man dann doch mal etwas nicht verträgt ist der Körper wieder für einige Tage so belastet, dass man auch nichts anderes mehr ausprobieren kann. Letztes Jahr habe ich Mandeln und Dosenmais (ich hatte gehofft, die Konserve macht mein Leben leichter – Pustekuchen!) in relativ kurzer Zeit nacheinander getestet und beides nicht vertragen. Danach war mein Körper so durch den Wind, dass ich kurzzeitig zur Eliminationsdiät zurückgekehrt bin um ihm ein bisschen Ruhe zu verschaffen. Dieses Jahr ist mein Macadamiatest am Pollenflug gescheitert. Was Histamin mit einem macht, wenn man auch noch seine Regelblutung hat ist wieder ein Thema für sich und warum ich weder rote Beete, noch Kürbis vertrage, obwohl beide nach Liste grün sind, ist mir ein komplettes Rätsel…


Die Hoffnung stirbt zuletzt


Aber es gibt eben auch die vielen guten Erfahrungen. Insbesondere Tests mit Gemüse waren bei mir immer recht dankbar. Ich vertrage alle Kohlsorten, habe Romanesco und Pastinaken als Bereicherung meines Speiseplans entdeckt und auf den Grill kommt im Sommer Lachs – dass ich das nicht schon viel früher gegessen habe! Testen lohnt sich, weil man auch nach einer Reihe mieser Anläufe oft genug da steht und wieder etwas findet, was verträglich ist.

Und: die eigene Toleranzschwelle ist absolut individuell! Ich kenne zum Beispiel andere Menschen mit Histaminintoleranz, die durchaus Dosenmais oder Weintrauben essen können. Nur weil bei einer Person etwas nicht funktioniert, kann es bei der anderen verträglich sein. Es lohnt sich also, selbst auszuprobieren und sich nicht zu sehr von Erfahrungsberichten anderer beeinflussen zu lassen. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu hören und darauf zu achten, dass er gerade in guter Verfassung ist, wenn man etwas ausprobieren möchte. Ist der eigene Histaminspiegel also wegen Heuschnupfen gerade ohnehin hoch, sollte man lieber ein paar Tage warten.

Zum Schluss habe ich hier nochmal ein paar Dos & Don’ts für die Testphase zusammengefasst, die auf meinen persönlichen Erfahrungen beruhen:

DOS

DON’TS

auf ausreichend Schlaf achten
nicht während der Regelblutung testen
viel stilles Wasser trinken
falls eine Allergie vorliegt,
nicht in der Pollenhochsaison testen
Lebensmittel immer erst möglichst unverarbeitet testen
keine Antihistaminika o. Ä. nehmen –
das verfälscht die Ergebnisse
frisch kochen und nichts aufwärmen
auf „Wackellebensmittel“ (Essen das mal verträglich ist,
mal nicht oder nur in kleinen Mengen) verzichten
das Auftreten von Symptomen
mindestens 24 Stunden abwarten
nach Möglichkeit erstmal auf Konserven verzichten
(z.B. lieber erst tiefgefrorenen Mais statt Dosenmais testen)
dem Körper nach einem Test ein paar Tage Ruhe gönnen

Ich freue mich, wenn ihr in den Kommentaren auch eure Tipps teilt, dann kann ich die Liste peu à peu ergänzen und wir helfen damit vielleicht denjenigen, die ganz am Anfang ihrer Ernährungsumstellung stehe.

Alles Liebe,


Frau mit Fuchs




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